Liebe psyCardialer,
habt ihr euch auch schon einmal von der schieren Nachrichtenflut, die täglich auf uns herabfällt, überrumpelt gefühlt? In der modernen digitalen Arbeitswelt, in der wir oft ständig erreichbar sind und viele Aufgaben parallel jonglieren, gewinnt die digitale „Gesundheit“ und „Unabhängigkeit“ an Bedeutung.
„Off-Zeiten“, „Digital Detox“ oder die Werbung von Hotels „garantiert keinen Internetempfang“ zu haben, um eine Unerreichbarkeit zu suggerieren, sind Wörter und Versprechen, die mittlerweile genauso zum Alltag vieler Berufstätiger und junger Erwachsener gehören, wie Klimaschutz.
Doch wie genau wirken sich ständige E-Mails, Meetings und Informationsfluten auf unser Herz aus und was können wir dagegen tun? Dieser Frage gehen wir für euch nach.
Digitaler Stress: Always on und ausgelaugt
Welche positiven und negativen Eigenschaften Stress im Allgemeinen für unser Herz-Kreislauf-System mit sich bringen kann, habt ihr bereits in dem Blogbeitrag zu Herzstress gelernt. Aber gestresst durch das Smartphone? Das ist abwegig? Keinesfalls.
Der Arbeitsalltag hat sich durch Smartphone, Homeoffice, Laptop & Co. grundlegend verändert. Ständige Erreichbarkeit ist für viele Berufstätige zur Norm geworden, die Grenzen zwischen den Rollen des Arbeitnehmers, Hobbysportlers und Familienmenschen verschwimmen zunehmend. Oft fühlt man sich sogar im Urlaub und am Wochenende verpflichtet, jederzeit schnell auf Nachrichten zu reagieren [1].
Gleichzeitig prasseln oft Unmengen an Informationen herein: E-Mails, Chat-Nachrichten, Video-Calls, News aus den Nachrichten-Apps. Oft erkennen wir sogar schon am Stil des Vibrierens oder des Klingeltons, welche App gerade ein Aufmerksamkeitsbedürfnis hat [2].
Dieses Multitasking und die Informationsüberflutung können den Geist überfordern und Stress auslösen [3]. Studien sprechen in diesem Zusammenhang von digitalem Stress. Bei der Befragung im Rahmen dieser Studien berichteten rund ein Fünftel der Teilnehmer von erheblichem Stress, Ängsten oder depressiver Verstimmung durch die Umstellung aufs Homeoffice [3].
Bei Büroangestellten im Homeoffice wurde während der Pandemie ein deutlicher Anstieg der digitalen Stressbelastung festgestellt [4]. Ein Zeichen dafür, wie sehr uns die digitale Arbeitswelt fordern kann.
Herz und Psyche schützen: Praktische Tipps
Zum Glück ist man dem digitalen Stress nicht hilflos ausgeliefert. Schon mit kleinen Änderungen im Alltag lässt sich viel für Herz und Nerven tun. Wichtig ist vor allem, Stressauslöser zu erkennen und gesunde Ausgleiche zu schaffen. Hier einige leicht umsetzbare Tipps:
- Klare Grenzen setzen: Versuche, Arbeits- und Freizeit bewusst zu trennen. Lege feste Offline-Zeiten fest, zum Beispiel abends kein dienstliches E-Mail-Checken mehr und halte im Homeoffice regelmäßige Pausen ein.
- Auch privat solltest Du Grenzen setzen und bestimmte Räumlichkeiten, beispielsweise das Schlafzimmer und den Essbereich zu einer digitalen Tabuzone erklären. Wer beim Essen schnell noch Mails oder Instagram checkt, isst unachtsam und neigt dazu, mehr zu essen, weil das Sättigungsgefühl ausgeblendet wird.
- Diese digitalen Auszeiten helfen, herunterzufahren, den Schlaf verbessern und verhindern, dass die ständige Erreichbarkeit zur Dauerbelastung wird.
- Bewegung einbauen: Körperliche Aktivität senkt nachweislich Stresshormone und tut dem Herz-Kreislauf-System gut. Schon ein flotter Spaziergang oder ein paar Lockerungsübungen zwischendurch können Wunder wirken.
- Entspannung üben: Plane täglich kleine Entspannungspausen ein. Das kann eine Atemübung am Schreibtisch sein, kurze Dehnübungen oder Meditation. Solche Techniken, welche Du bereits aus dem Blogbeitrag zu den Entspannungsübungen kennst, können Stress, Angst und Anspannung reduzieren.
Fazit
Die digitale Arbeitswelt bringt neue Herausforderungen für unsere seelische und herzgesundheitliche Balance. Permanente Erreichbarkeit, Multitasking und Informationsflut können uns unter Druck setzen. Mit Bewusstsein und einfachen Präventionsstrategien, welche wir als regelmäßige Routine einbauen, lässt sich gegensteuern. Indem wir Pausen, Bewegung, Schlaf und Entspannung gezielt pflegen, können wir den digitalen Stress entschärfen. So bleiben Herz und Psyche im Gleichgewicht.
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Quellen
[1] Hang Y, Hussain G, Amin A, Abdullah MI (2022) The Moderating Effects of Technostress Inhibitors on Techno-Stressors and Employee’s Well-Being. Front Psychol 12:821446
[2] Katzer C (2016) Cyberpsychologie: Leben im Netz: Wie das Internet uns verändert, Originalausgabe. dtv, München
[3] Di Fusco SA, Spinelli A, Castello L, Mocini E, Gulizia MM, Oliva F, Gabrielli D, Imperoli G, Colivicchi F (2021) Impact of Working from Home on Cardiovascular Health: An Emerging Issue with the COVID-19 Pandemic. Int J Environ Res Public Health 18:11882
[4] Wrede SJS, Claassen K, Rodil Dos Anjos D, Kettschau JP, Broding HC (2023) Impact of digital stress on negative emotions and physical complaints in the home office: a follow up study. Health Psychol Behav Med 11:2263068





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