Dein Partner oder ein anderes Familienmitglied hatte einen Herzinfarkt oder leidet unter einer Herzerkrankung – und nun kämpft er/sie nicht nur mit den körperlichen Folgen, sondern auch mit Sorgen und Ängsten. Solche psychokardiologischenBegleiterscheinungen sind keine Seltenheit. Nach einem schweren Herzereignis entwickeln etwa 20–30 % der Betroffenen Depressionen oder quälende Ängste [1]. Diese seelischen Folgen sind für die Betroffenen offensichtlich belastend – doch was oft übersehen wird: Auch Angehörige können psychisch (mit-)betroffen sein.
Auch Angehörige leiden mit
Für Dich als Partner, Kind oder Freund kann die Herzerkrankung Deines geliebten Menschen eine emotionale Achterbahnfahrt bedeuten. Einerseits bist Du erleichtert, dass dein Angehöriger das Herzproblem überlebt hat. Andererseits bist Du möglicherweise oft besorgt um seine Gesundheit. Vielleicht glaubst du, dass Du in dieser herausfordernden Situation besonders stark sein musst [2]. Doch dabei gerät oft in Vergessenheit, dass auch du unter enormem Stress stehst.
Angehörige von Herzpatienten können ebenso Anzeichen von psychischem Stress wie Angst, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder sogar posttraumatische Stresssymptome entwickeln [2]. Diese Dauerbelastung kann sich auch körperlich bemerkbar machen: Viele pflegende Angehörige leiden zum Beispiel unter Schlafstörungen, Stress, Depressionen und sogar Ängsten [3].
Insbesondere bei chronischen Herzleiden wie einer Herzinsuffizienz kann die andauernde Belastung zu Depressionen bei den Pflegenden führen: Schätzungen zufolge entwickeln etwa ein Viertel der Partner von Patienten mit Herzschwäche depressive Symptome [4]. Du bist mit diesen Gefühlen also keineswegs allein.
Zwischen Fürsorge und Besorgnis
Die plötzliche Herzkrankheit stellt eure ganze Lebenssituation auf den Kopf. „Krank ist man nie allein“, sagen Fachleute treffend. Eine Herzerkrankung trifft immer das gesamte Umfeld mit [2]. Gewohnheiten müssen innerhalb der Familie vielleicht neu verteilt werden: was früher der Erkrankte erledigte, müssen jetzt vielleicht andere übernehmen [2].
Solch ein Umbruch kann das Familiengefüge ins Wanken bringen. Gleichzeitig rückst du als Angehöriger stärker in den Mittelpunkt: Deine Unterstützung ist nun lebenswichtig. Tatsächlich gilt eine stabile Partnerschaft oder Familie als schützender Faktor: sie verbessert Lebensqualität und kann sogar die Genesung und Prognose von Herzpatienten positiv beeinflussen [2].
Dennoch kann diese neue Verantwortung für dich eine enorme Herausforderung darstellen [2]. Aus lauter Vorsicht neigen viele Angehörige dazu, den Betroffenen zu sehr zu schonen. Vielleicht fragst auch du Dich häufig, was Dein Angehöriger noch tun darf, ohne sein Herz zu gefährden. Diese Unsicherheit kann dazu führen, dass man den Kranken überbehütet und auch die eigenen Bedürfnisse zurückstellt [2].
Vielleicht sprecht ihr auch weniger offen miteinander, aus Angst, den anderen mit euren Gedanken zu belasten. Diese Angst ist aber völlig unbegründet. Im Gegenteil: je offener ihr das Gespräch miteinander sucht, desto besser könnt ihr die Gefühle und Wünsche des anderen verstehen und respektieren.
Professionellen Rat suchen
Scheue Dich nicht, Hilfe anzunehmen. Viele Kliniken bieten psychokardiologische Beratungen oder Familiengespräche an. In schweren Fällen kann es sogar notwendig sein, dass Du selbst therapeutische Unterstützung in Anspruch nimmst, wenn Dich die Angst um Dein herzkrankes Familienmitglied zu sehr belastet [2]. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstfürsorge. Nur wenn es dir gut geht, kannst du auch weiterhin eine Stütze für Deinen erkrankten Angehörigen sein.
Wie kannst du gut für dich und den Betroffenen sorgen?
Du fragst Dich vielleicht, was konkret helfen kann, mit dieser Situation besser umzugehen. Im Folgenden findest Du einige Tipps zur Selbstfürsorge für Dich als Angehöriger und zum hilfreichen Umgang mit dem Betroffenen:
- Nimm Deine Gefühle ernst: Erkenne an, dass auch du Angst oder Stress haben kannst und darfst. Sprich mit vertrauten Personen darüber.
- Achte auf Dich selbst: Gönn dir Pausen und mach Dinge, die Dir gut tun, ob ein Spaziergang, ein Treffen mit Freunden oder ein gutes Buch. Deine eigene seelische und körperliche Gesundheit ist wichtig.
- Informiere Dich und frage nach: Wissen nimmt Unsicherheit. Sprich die Ärzte offen an, wenn Du etwas über die Herzkrankheit oder den Umgang damit wissen möchtest. Frag ruhig, welche Alltagsaktivitäten unbedenklich sind – das hilft, Ängste abzubauen [2].
- Kommunikation: Teilt eure Sorgen offen miteinander und hört einander zu. Habt keine Angst vor schwierigen Themen, gemeinsam gemeistert, schweißen sie euch eher zusammen [2].
- Hol dir Unterstützung: Du musst das nicht alleine schaffen. Bezieh ruhig andere Familienmitglieder, Freunde oder professionelle Helfer mit ein. Selbsthilfegruppen oder psychologische Beratungsangebote für Angehörige können Gold wert sein, wenn Du Dich überfordert fühlst.
Fazit
Du darfst und solltest auf Dich selbst achten. Die Krankheit Deines geliebten Menschen verändert auch Dein Leben. Indem Du Dir selbst mit Mitgefühl begegnest und Dir Hilfe holst, wenn Du sie benötigst, tust Du nicht nur Dir, sondern auch Deinem herzkranken Angehörigen etwas Gutes. So könnt ihr gemeinsam diese Herausforderung bewältigen, Schritt für Schritt.
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Quellen
[1] Dr. Becker Klinikgruppe Patientengeschichte Patientengeschichte nach Herzinfarkt. In: Patientengeschichte Patientengeschichte Nach Herzinfarkt. https://dbkg.de. Abgerufen am 26 May 2025
[2] Herrmann-Lingen C, Nagel J Plötzlich Herzpatient: Auch Angehörige benötigen Hilfe. In: Herzstiftung. https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/herzpatient-angehoerige. Accessed 26 May 2025
[3] Suksatan W, Tankumpuan T, Davidson PM (2022) Heart Failure Caregiver Burden and Outcomes: A Systematic Review. J Prim Care Community Health 13:21501319221112584
[4] Chung ML, Pressler SJ, Dunbar SB, Lennie TA, Moser DK, Endowed G (2010) Predictors of Depressive Symptoms in Caregivers of Patients with Heart Failure. J Cardiovasc Nurs 25:411–419






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