Einsamkeit: Wie sie sich auf unser Herz auswirkt und was dagegen hilft

Liebe psyCardialer,

gelegentliche Einsamkeit kennen wir wohl alle. Fast 60 % der Menschen in Deutschland haben Erfahrungen mit Einsamkeit gemacht für etwa 4 % ist sie sogar ein ständiger Begleiter [1, 2]. In diesem Blogbeitrag schauen wir aus psychokardiologischer Sicht darauf, wie Einsamkeit Körper und Psyche beeinflusst, welchen Einfluss sie auf das Herz hat und was wir tun können.

Einsamkeit – häufig und doch ein Tabuthema

Einsamkeit ist kein seltenes Phänomen, sondern weit verbreitet. Besonders junge Menschen sind betroffen: über zwei Drittel der 18–39-Jährigen fühlen sich zumindest gelegentlich einsam [2]. Dabei empfinden Einsamkeit dabei oft stärker belastend als ältere Personen [2].

Mehr als ein Drittel der 18-39-jährigen leiden stark unter dem Alleinsein, während es bei den über 40-Jährigen nur etwa jede/r Fünfte so empfindet [2]. Obwohl Einsamkeit jeden treffen kann, ist es uns häufig unangenehm darüber zu sprechen, weil wir mit unseren Empfindungen niemanden belasten wollen. Jeder dritte Mann und jede fünfte Frau, die sich einsam fühlen, haben noch nie mit jemandem darüber gesprochen [2].Doch darüber zu schweigen, verstärkt das Gefühl häufig noch.

Wenn Einsamkeit krank macht

Studien und Befragungen zeigen einen klaren Zusammenhang: rund ein Viertel der Menschen, die sich oft oder manchmal einsam fühlen, schätzen ihren Gesundheitszustand als schlecht ein – bei denjenigen, die selten oder nie einsam sind, sind es nur 13 % [2] Anhaltende Einsamkeit geht häufig mit Stress, Erschöpfung und gedrückter Stimmung einher [2].

Dabei können seelische Belastung Schlafstörungen und Ängste verstärken und sogar das Immunsystem schwächen. Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko für Depressionen und Angststörungen. So wird Einsamkeit hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Gesundheit mit Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch oder starkem Übergewicht verglichen[3].

Auswirkungen von Einsamkeit auf unser Herz

Soziale Bindungen sind enorm wicht für unser psychisches Wohlbefinden und auch für unser Herz-Kreislauf-System. Forschungen belegen, dass fehlende soziale Kontakte messbare Auswirkungen auf die Herzgesundheit haben. Nicole K. Valtorta konnte in einer Studie Zusammenhänge zwischen Einsamkeit und den Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System aufzeigen.

Personen mit schwächeren sozialen Beziehungen haben ein rund 29% höheres Risiko, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln sowie ein 32% höheres Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden [4]. Einsamkeit kann den Blutdruck erhöhen und die Immunabwehr herabsetzen [4].

Bereits Herzerkrankten sollte zusätzlich Aufmerksamkeit geschenkt werden. Fühlt sich ein Herzpatient dauerhaft einsam, kann das die Genesung beeinträchtigen und sogar die Lebenserwartung negativ beeinflussen [5].

Scheue Dich also nicht, bei körperlichen Beschwerden auch über deine Gefühle zu sprechen.

Was Du gegen Einsamkeit tun kannst

Einsamkeit ist kein Schicksal, dem man hilflos ausgeliefert ist, auch wenn es uns zu Beginn Überwindung kosten mag. Hier sind einige Impulse, was Du konkret tun kannst, um mit Einsamkeit umzugehen:

  • Sprich darüber: So schwer es fällt – vertraue dich jemandem an. Ein erster Schritt kann sein, einer Person deines Vertrauens zu erzählen, wie es dir geht. Das kann ein guter Freund, ein Familienmitglied oder auch dein Arzt sein.
  • Aktiv Anschluss suchen: Einsamkeit wird weniger, wenn wir neue Verbindungen knüpfen. Vielleicht gibt es einen Verein, einen Kurs oder ein Hobby, das Du schon immer einmal ausprobieren wolltest? Trau Dich, etwas Neues auszuprobieren. Ob Sportgruppe, Buchclub oder Ehrenamt, überall dort triffst du automatisch auf Menschen mit ähnlichen Interessen.
  • Auf Herz und Seele achten: Denk daran, dass Dein Wohlbefinden ganzheitlich zusammenhängt. Kümmere Dich gut um Dich selbst! Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können zwar Einsamkeit nicht beheben, aber sie stärken deinen Körper und machen dich seelisch widerstandsfähiger. Tägliche Spaziergänge heben die Stimmung, bauen Stress ab und bieten Gelegenheiten, andere Menschen zu treffen (ein freundliches Lächeln oder „Guten Tag“ beim Spazierengehen ist schon ein kleiner sozialer Kontakt!).
  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Wenn die Einsamkeit Dich stark belastet, suche dir bitte Unterstützung bei Fachleuten. Psychotherapeuten oder Beratungsstellen kennen dieses Thema und können dir Strategien zeigen, da herauszufinden. Sprich gegebenenfalls auch mit Deiner Hausärztin oder Deinem Hausarzt darüber – sie können dir Anlaufstellen nennen oder eine Therapie vermitteln. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe zu suchen, sondern ein Zeichen von Mut und Selbstfürsorge. Solltest Du Hemmungen haben, direkt jemanden ins Vertrauen zu ziehen, versuche über Telefonseelsorger und digitale Angebote anonym Hilfe zu erhalten. Am anderen Ende beraten Dich Fachleute zu dem Thema und können Dich möglicherweise an eine geeignete Stelle weitervermitteln.

Fazit

Einsamkeit kann überwältigend sein, aber sie muss kein Dauerzustand bleiben. Wir können proaktiv versuchen, gegenzusteuern. Viele andere kämpfen mit ähnlichen Emotionen, auch wenn man es ihnen nicht ansieht. Wichtig ist, dass wir uns ganz bewusst mit der Thematik auseinandersetzen, um unser psychisches Wohlbefinden und unsere Gesundheit zu schützen.

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Quellen

[1] Küther, J. (2024). Einsamkeitsreport 2024. Wie einsam ist Deutschland?

[2] Techniker Krankenkasse (TK) (2024). Einsamkeitsreport 2024.

[3] Rossol, M., Adli, M. (2025). „Um einsam zu sein, braucht es Andere um einen herum“. Diese Form von sozialem Stress bleibt häufig unerkannt. Medical Tribune 60 (3), S. 55.

[4] Valtorta, N. K., Kanaan, M. Gilbody, S., Ronzi, S. Hanratty, B. (2016). Loneliness and social isolation as risk factors for coronary heart disease and stroke: Systematic review and meta-analysis of longitudinal observational studies. Heart,102 (13), S. 1009-1016. 

[5] Christensen, A. V., Juel, K., Ekholm, O., Thrysoe, L., Brun Thorup, C. et al. (2020). Significantly increased risk of all-cause mortality among cardiac patients feeling lonely. Heart, 106 (2), S. 140–146.

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