Liebe psyCardialer,
heute möchten wir euch einen Einblick in das Zusammenspiel von Emotionen und unserem Herzen geben. Das Herz gilt seit jeher als ein Symbol für unsere Emotionen – wir drücken über dieses Organ viele unserer Gefühle aus, von Liebe bis zu einem gebrochenen oder einem „in die Hose gerutschten Herzen“, wenn wir Angst verspüren.
Längst ist klar: Gefühle beeinflussen nicht nur metaphorisch, sondern ganz konkret unsere Herzgesundheit. Emotionale Zustände wie Wut, Trauer oder Freude wirken sich direkt auf unser Herz-Kreislauf-System aus. Aktuelle Forschungen zeigen, dass Emotionen eine zentrale Rolle bei der Entstehung, dem Verlauf und der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen.
Wut hat wichtige Funktionen
Wut ist eine natürliche emotionale Reaktion auf eine Situation, die wir als bedrohlich, beängstigend oder beschämend wahrnehmen. Sie kann sich gegen andere oder gegen uns selbst richten. Dabei ist sie wertvoll und kann uns schützen. Sie dient als Warnsignal und zeigt klar an, dass eine Grenze überschritten wurde. Das Rauslassen von Wut kann dabei innere Spannungen lösen. Versuchen wir jedoch, diese Wut mit uns selbst auszumachen, kann unser Körper nur schwerlich entspannen.
Evolutionsbedingt entsteht Wut im Gehirn im limbischen System, genauer gesagt in der sogenannten Amygdala [1]. Diese ist für die unbewusst ablaufende Bewertung von eintreffenden Informationen zuständig und sorgt für die Weiterleitung der Signale an die entsprechende Hirnregion, in welcher dann die passende körperliche Reaktion ausgelöst wird [1].
Wird eine Situation als bedrohlich eingestuft, also auch wenn wir Wut empfinden, wird innerhalb kürzester Zeit über den Hypothalamus die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse aktiviert und sorgt für die Aktivierung der Stressreaktion, welche Du hier bereits kennengelernt hast [1].
Können wir den Zustand der Wut nicht auflösen, führt dies wiederum zu einer dauerhaften Aktivierung des Kampf-oder-Flucht-Modus. Auf diese Weise kann aufgestaute Wut ebenso zu Bluthochdruck sowie chronischen Entzündungsprozessen führen, welche die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung begünstigen.
Negative Emotionen und der Einfluss auf das Herz
Negative Emotionen, insbesondere Wut, können zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Dies zeigen Ergebnisse einer erst kürzlich veröffentlichten Studie, in welcher die Autoren die zugrundeliegenden Mechanismen untersucht haben [2]. Untersucht wurden die Auswirkungen drei zentraler negativer Emotionen (Angst, Wut, Trauer) auf die endotheliale Funktion [2].
Hierfür verwendeten die Forscher ein spezielles Gerät, welches den peripheren arteriellen Tonus und den Blutfluss in den Fingern misst, um den reaktiven Hyperämieindex (RHI) als Marker für die endotheliale Funktion zu bestimmen [2]. Die endotheliale Funktion oder auch Endothelfunktion beschreibt die Funktion der Endothelzellen, welche die Blutgefäße auskleiden. Funktionsstörungen des Endothels gelten dabei als Risikofaktor für die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Die Studienteilnehmer wurden zufällig in vier Gruppen aufgeteilt: Angst, Trauer, Wut und Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe wurden keine Emotionen provoziert, in den jeweils anderen drei Gruppen wurden die Teilnehmer gebeten, 8 Minuten lang die vorgegebene starke Emotion zu empfinden.
Die Ergebnisse zeigen, dass Teilnehmer, welche Wut empfanden, im Gegensatz zur Kontrollgruppe innerhalb von 0 bis 40 Minuten eine signifikante, also bedeutsame Verschlechterung der endothelialen Funktion, gemessen am reaktiven Hyperämieindex (RHI) aufwiesen [2].
Die Teilnehmer der Gruppen „Trauer“ und „Angst“ zeigten keine signifikanten Unterschiede zu der Kontrollgruppe, was nahelegt, dass diese beiden negativen Emotionen keinen unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung haben [2].
Die gute Nachricht: Positive Emotionen können das Herz schützen
Positive Gefühle wie Freude, Dankbarkeit und soziale Verbundenheit wirken sich protektiv auf das Herz-Kreislauf-System aus und können die Herzgesundheit fördern [3]. Dabei können positive Emotionen bei der Aktvierung des Parasympathikus unterstützend wirken [3]. Es wird auch angenommen, dass positive Emotionen einen gesundheitsförderlichen Einfluss auf Schlafgewohnheiten sowie andere Lebensstilfaktoren, beispielsweise das Rauchverhalten haben [3]. Wenn wir lernen, mit unseren Emotionen umzugehen und sie als wichtige Ressource verstehen, dann können wir unser Herz schützen.
Übungen
Auch zur Regulierung von negativen Emotionen helfen Sofortmaßnahmen wie Atem- und Achtsamkeitsübungen. Für Atem- und Entspannungstechniken schau gern einmal in diesem Blogbeitrag vorbei, in welchem wir Dir einige vorstellen. Untenstehend findest Du eine kleine meditative Übungseinheit, welche Dir in einer akuten emotionalen Situation helfen kann, etwas Abstand zu gewinnen. Ziehe Dich hierfür am besten kurz an einen ungestörten Ort zurück (bereits der Ortswechsel kann zu einer Entlastung beitragen):
Dauer der Übung: 2 Minuten
Durchführung: Im Liegen, Sitzen oder Stehen
Ziel: Beruhigung, Achtsamkeit, positive Emotionen stärken
0:00 – 0:30 Minuten: Ankommen
- Schließe Deine Augen.
- Richte Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Atem.
- Spüre, wie die Luft in Deinen Körper hinein- und herausströmt.
- Konzentriere Dich ganz auf das „Hier und jetzt“.
0:30 – 1:30 Minuten: Positives Gefühl aktivieren
- Denke nun an einen Moment, in dem Du Dich rundum wohl gefühlt hast.
- Lass dieses Gefühl in Dir aufsteigen, so als würdest Du es erneut erleben.
- Spüre, wie Dich dieses positive Gefühl beruhigt und Deine Schultern entlastet.
- Spüre, wie der Druck von Dir abfällt.
1:30 – 2:00 Minuten: Abschließen
- Kehre wieder langsam zur Wahrnehmung Deines Atems zurück.
- Spüre die Entspannung in Deinem Körper.
- Öffne langsam Deine Augen und nimm Dir einen Moment, um mit diesem ruhigen Gefühl in den Tag zurückzukehren.
Was hilft noch?
Baue täglich Aktivitäten in Deinen Tagesablauf ein, welche Dir Freude bereiten. Wenn Du gerne spazieren gehst, geh täglich mindestens 20 Minuten spazieren. Liest Du gerne? Dann nimm Dir täglich die Auszeit und lies ein paar Zeilen. Mach Dir diese Momente bewusst als Auszeit deutlich und genieße sie achtsam. Es ist auch wichtig, dass Du über Deine Gefühle sprichst. Beziehe eine Person Deines Vertrauens mit ein und erzähle ihr, was Dich belastet. Dies kann den Abbau von innerer Anspannung positiv beeinflussen.
Fazit
Emotionen beeinflussen unser Herz – mehr als wir vielleicht denken. Die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Herz-Kreislauf-System sind heute gut belegt und sollten in Prävention, Diagnose und Therapie kardiologischer Erkrankungen berücksichtigt werden. Aus diesem Grund möchten wir euch nächste Woche das „Broken-Heart-Syndrom“ vorstellen. Achtsamkeit, emotionale Gesundheit und soziale Unterstützung sind somit wichtige Komponenten zur Förderung der Herzgesundheit.
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Quellen
[1] Hemmings, J. (2018). Psychologie im Alltag. München: Dorling Kindersley Verlag GmbH.
[2] Shimbo D, Cohen MT, McGoldrick M, et al. (2024). Translational Research of the Acute Effects of Negative Emotions on Vascular Endothelial Health: Findings From a Randomized Controlled Study. Journal of the American Heart Association, 13 (9) S. 1-12.
[3] Davidson, K. W., Whang, W. (2010). Don’t Worry, Be Happy: Positive Affect and Reduced 10-year Incident Coronary Heart Disease: The Canadian Nova Scotia Health Survey. European Heart Journal, 31 (9), S. 1065-1070.






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